Der erste Termin
Was kostet das erste Beratungsgespräch?
Für ein erstes Beratungsgespräch berechne ich gemäß der gesetzlichen Vorgabe des § 34 RVG 190 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer, zusammen 226,10 Euro. Das gilt für Fragen zu Trennung, Scheidung, Kindern und Unterhalt ebenso wie für Fragen zum Pferde- und Tierrecht.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist dieser Betrag zugleich die gesetzliche Obergrenze für ein erstes Beratungsgespräch, wenn nichts anderes vereinbart ist (§ 34 Abs. 1 RVG). Schließt sich an die Beratung eine weitere Tätigkeit in derselben Sache an, wird die Beratungsgebühr darauf angerechnet, wenn nichts anderes vereinbart ist (§ 34 Abs. 2 RVG).
Gesetzliche Grundlage
Wie sich die Anwaltsgebühren berechnen
Die meisten Gebühren hängen vom Gegenstandswert ab, also vom Wert dessen, worum es in der Sache geht (§ 2 Abs. 1 RVG). Aus einer gesetzlichen Tabelle ergibt sich zu jedem Wert eine volle Gebühr (§ 13 RVG mit Anlage 2). Je nach Tätigkeit fällt diese Gebühr ganz, mehrfach oder anteilig an. Das legt das Vergütungsverzeichnis zum RVG fest.
Im Gerichtsverfahren entstehen in der Regel eine Verfahrensgebühr mit dem 1,3-Fachen und, sobald ein Termin stattfindet, eine Terminsgebühr mit dem 1,2-Fachen (Nr. 3100 und 3104 VV RVG). Für eine Vertretung außerhalb des Gerichts (Nr. 2300 VV RVG) gilt ein Rahmen vom 0,5- bis 2,5-Fachen; in der Regel fällt eine 1,3 Gebühr an. Bei umfangreichen und/oder schwierigen Tätigkeiten kann diese Gebühr jedoch auch mehr als das 1,3-Fache betragen. Hinzu kommen Auslagen, etwa eine Pauschale für Post und Telefon von 20 Prozent der Gebühren, höchstens 20 Euro, sowie die Umsatzsteuer (Nr. 7002 und 7008 VV RVG).
Die Gerichtskosten berechnen sich ebenfalls nach einem Wert und einer eigenen Tabelle. In Familiensachen gilt dafür das Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG), in anderen Zivilsachen das Gerichtskostengesetz (GKG).
Rechenbeispiel
Was kostet eine Scheidung?
Die Kosten einer Scheidung bestehen aus den Anwaltskosten und den Gerichtskosten. Beide richten sich nach dem Verfahrenswert, den das Familiengericht festsetzt.
Für die Scheidung selbst bemisst das Gericht den Wert nach allen Umständen des Einzelfalls, vor allem nach dem Nettoeinkommen beider Ehegatten in drei Monaten. Der Wert beträgt mindestens 3.000 Euro (§ 43 FamGKG). Für den Versorgungsausgleich kommen je Anrecht, etwa je Rentenanwartschaft, 10 Prozent dieses Dreimonatseinkommens hinzu, insgesamt mindestens 1.000 Euro (§ 50 Abs. 1 FamGKG).
Werden weitere Fragen im selben Verfahren mitentschieden, etwa Unterhalt, Zugewinn oder die Ehewohnung, erhöhen sie den Wert (Folgesachen, § 137 FamFG, § 44 FamGKG). Scheidung und Folgesachen bleiben dabei ein Verfahren: Die Gebühren entstehen einmal, nach dem zusammengerechneten Wert (§ 16 Nr. 4 RVG, § 44 Abs. 1 FamGKG).
Das Gericht erhebt im Scheidungsverfahren zwei volle Gebühren (Nr. 1110 KV FamGKG). Wer den Scheidungsantrag stellt, zahlt sie vorab; erst dann wird der Antrag zugestellt (§ 14 Abs. 1, § 21 Abs. 1 FamGKG). Wird die Ehe geschieden, werden die Kosten in der Regel gegeneinander aufgehoben: Jeder Ehegatte trägt seine eigenen Anwaltskosten, die Gerichtskosten werden geteilt (§ 150 Abs. 1 FamFG). Das Gericht kann davon abweichen, wenn diese Verteilung unbillig erscheint, und berücksichtigt eine Vereinbarung der Ehegatten über die Kosten (§ 150 Abs. 4 FamFG).
Für den Scheidungsantrag braucht man eine Anwältin oder einen Anwalt (§ 114 Abs. 1 FamFG). Der andere Ehegatte kann der Scheidung auch ohne eigenen Anwalt zustimmen (§ 114 Abs. 4 Nr. 3 FamFG). Will er im Verfahren eigene Anträge stellen, braucht er eine eigene Vertretung.
Beispiel: Was kostet eine einvernehmliche Scheidung?
Ein vereinfachtes Beispiel. Die Annahmen sind frei gewählt und sagen nichts über Ihren Fall. Das Gericht setzt den Wert im Einzelfall fest und kann von der Rechnung abweichen.
Beide Ehegatten wollen die Scheidung. Ein Ehegatte stellt den Antrag mit anwaltlicher Vertretung, der andere stimmt ohne eigenen Anwalt zu. Das Nettoeinkommen beträgt monatlich 2.500 Euro und 1.500 Euro. Jeder Ehegatte hat ein Anrecht in der gesetzlichen Rentenversicherung, zusammen also zwei Anrechte im Versorgungsausgleich. Keine weiteren Folgesachen, keine Kinder, ein Anhörungstermin.
| Schritt | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Wert Scheidung | (2.500 € + 1.500 €) × 3 Monate | 12.000 € |
| Wert Versorgungsausgleich | 2 Anrechte × 10 % × 12.000 € | 2.400 € |
| Verfahrenswert gesamt | 12.000 € + 2.400 € | 14.400 € |
| Verfahrensgebühr | 1,3 × 762,00 € (volle Gebühr laut Tabelle RVG bei Wert bis 16.000 €) | 990,60 € |
| Terminsgebühr | 1,2 × 762,00 € | 914,40 € |
| Pauschale Post und Telefon | 20 % der Gebühren, höchstens 20 € | 20,00 € |
| Anwaltskosten netto | 1.925,00 € | |
| Umsatzsteuer 19 % | 365,75 € | |
| Anwaltskosten brutto | 2.290,75 € | |
| Volle Gerichtsgebühr bei Wert bis 16.000 € | Tabelle FamGKG | 344,00 € |
| Gerichtskosten | 2,0 × 344,00 € | 688,00 € |
| Gerichtskosten je Ehegatte bei Kostenaufhebung | 688,00 € ÷ 2 | 344,00 € |
Grundlagen: §§ 43, 50 FamGKG, § 13 RVG mit Anlage 2, Nr. 3100, 3104, 7002, 7008 VV RVG, § 28 FamGKG mit Anlage 2, Nr. 1110 KV FamGKG, § 150 FamFG. Gebührenstand seit 1. Juni 2025.
In diesem Beispiel kostet die Scheidung zusammen rund 2.980 Euro: etwa 2.290 Euro für die Anwältin und 688 Euro für das Gericht. Werden die Kosten gegeneinander aufgehoben, trägt der Ehegatte mit Anwältin rund 2.635 Euro, der andere Ehegatte 344 Euro. Hat jeder Ehegatte eine eigene Anwältin oder einen eigenen Anwalt, kommen für den zweiten Ehegatten bei gleicher Tätigkeit noch einmal rund 2.290 Euro hinzu.
Nicht enthalten sind Kosten für weitere Folgesachen, eine Einigung, Beratung vor dem Verfahren, also die vorherige außergerichtliche Interessenwahrnehmung, und Auslagen wie Fahrtkosten.
Alternative zum Gesetz
Wann eine Vergütungsvereinbarung in Frage kommt
Statt der gesetzlichen Gebühren können wir eine Vergütung vereinbaren; ich berechne sie nach Zeitaufwand. Eine solche Vereinbarung bedarf der Textform und muss deutlich als Vergütungsvereinbarung bezeichnet sein (§ 3a Abs. 1 RVG). Sie enthält auch den Hinweis, dass die Gegenseite oder die Staatskasse im Fall einer Kostenerstattung in der Regel nicht mehr als die gesetzlichen Gebühren erstatten muss.
Eine niedrigere als die gesetzliche Vergütung ist nur außerhalb eines Gerichtsverfahrens zulässig (§ 4 Abs. 1 RVG, § 49b Abs. 1 BRAO). In Gerichtsverfahren gelten die gesetzlichen Gebühren mindestens.
Finanzielle Hilfe
Verfahrenskostenhilfe und Beratung bei geringem Einkommen
Wer die Kosten eines Gerichtsverfahrens nach seinem Einkommen und Vermögen nicht, nur teilweise oder nur in Raten aufbringen kann, erhält auf Antrag Verfahrenskostenhilfe. Voraussetzung ist, dass das Verfahren hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint (§ 76 Abs. 1 FamFG, § 114 Abs. 1 ZPO). Dem Antrag liegen ein amtliches Formular über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse und Belege bei (§ 117 Abs. 2 und 4 ZPO).
Je nach Einkommen bewilligt das Gericht die Hilfe ohne oder mit Ratenzahlung (§ 115 ZPO). Verbessern sich Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb von vier Jahren nach Abschluss des Verfahrens wesentlich, kann das Gericht die Entscheidung ändern (§ 120a ZPO). Die Kosten, die Sie der Gegenseite erstatten müssen, wenn Sie unterliegen, übernimmt die Verfahrenskostenhilfe nicht (§ 123 ZPO). Mandate mit Verfahrenskostenhilfe übernehme ich auch für Mandantinnen und Mandanten außerhalb Hamburgs.
Für eine Beratung außerhalb eines Gerichtsverfahrens gibt es bundesweit die Beratungshilfe (§§ 1, 2 BerHG). In Hamburg tritt an ihre Stelle die Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) der Stadt (§ 12 Abs. 1 BerHG). Gern nenne ich Ihnen im ersten Gespräch den Weg, der für Sie in Frage kommt.
Vor dem Auftrag klären
Übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten?
Das hängt von Ihrem Vertrag ab. Im Familienrecht decken viele Rechtsschutzversicherungen nur eine Beratung, nicht die Vertretung im Verfahren. Im Pferde- und Tierrecht kommt es darauf an, welche Bereiche versichert sind, etwa Vertragsrecht oder Schadensersatz. Ich rechne direkt mit Ihrer Rechtsschutzversicherung ab. Bitte nennen Sie mir bei der Anfrage Ihre Versicherung und die Versicherungsnummer, wenn Sie eine haben.
Zivilprozess
Kosten im Pferde- und Tierrecht
Im Pferde- und Tierrecht richtet sich der Gegenstandswert meist nach dem Geldbetrag, um den es geht, beim Streit über einen Pferdekauf etwa nach dem Kaufpreis oder der geforderten Summe (§ 23 Abs. 1 RVG, § 48 Abs. 1 GKG). Die Gebühren ergeben sich aus denselben Tabellen wie oben, die Gerichtskosten aus dem Gerichtskostengesetz.
Anders als bei der Scheidung trägt in einem Zivilprozess in der Regel die Seite, die verliert, die Kosten des Rechtsstreits, auch die gesetzlichen Anwaltskosten der Gegenseite (§ 91 ZPO). Dieses Kostenrisiko bespreche ich mit Ihnen, bevor Sie sich für ein Verfahren entscheiden.